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Filmreview: Jack Ryan - Shadow Recruit

Regie: Kenneth Branagh

Darsteller: Chris Pine, Kenneth Branagh, Keira Knightley, Kevin Costner

 

 

Bestseller-Autor Tom Clancy ist ja bekannt für Thriller mit politischem Hintergrund. Und wie es mit Bestsellern nunmal so ist, werden diese irgendwann von Hollywood verfilmt. So geschehen mit den anderen vier Jack Ryan Filmen, namentlich "Jagd auf roter Oktober", "Die Stunde der Patrioten", "Das Kartell" und als letztes 2002 "Der Anschlag" (welche alle auf Romanen von Tom Clancy basieren). Nun ist mit "Jack Ryan – Shadow Recruit" ein fünfter Teil (oder eher ein Reboot) in den deutschen Kinos angekommen. Anstatt sich einen weiteren Roman als Vorbild zu nehmen, ist dies hier eher eine Art "Neuverfilmung" um den Protagonisten und wie er (nun nicht in den 50ern, sondern in der heutigen Zeit) zur CIA kam.

 

Im Vorfeld stand die Produktion aber unter keinem guten Stern. Bereits 2008 wurde Sam Raimi ("Spider-Man", "Tanz der Teufel") mit der Neuinszenierung oder eher dem Reboot der Serie beauftragt, schied dann aber aus. Auch das Drehbuch wurde mehrmals überarbeitet, der inzwischen angeheurte Regiesseur Jack Bender schied aus terminlichen Gründen aus und nachdem Hauptdarsteller Chris Pine ("Star Trek", "Star Trek – Into Darkness") mit dem Dreh zum zweiten neuen Star Trek Film fertig war, lag die Regie schlussendlich in der Hand von Darsteller Kenneth Branagh (als Regiesseur verantwortlich für "Thor" oder auch "Mary Shelley's Frankenstein"), welcher hier auch den russischen Agenten und Hauptantagonisten spielt.

 

Auch wenn man sagen muss, dass die Story schlichter ist, als in den anderen Teilen der Reihe (aufgrund des Formates natürlich auch bedeutend simpler als z.B. in der Agenten-Serie "24"): Jack Ryan (Chris Pine) absolviert gerade in London sein Wirtschaftsstuidum, als die Anschläge des 11. Septembers stattfinden. Draufhin meldet er sich bei den Marines und ist 2003 in Afghanistan im Einsatz. Dort wird sein Helikopter abgeschossen, er erleidet dadurch ein schwere Rückenverletzung. Während seiner Reha-Zeit lernt er nicht nur seine spätere Freundin Cathy Muller (Keira Knightley; "Fluch der Karibik"-Reihe) kennen, sondern wird auch vom CIA-Agenten William Harper (Kevin Costner; "Der mit dem Wolf tanzt", "Waterworld") als Analyst rekrutiert. Sein Einsatzgebiet ist die New Yorker Wall Street, an der er heimlich für das CIA ein Auge auf die Börsenvorgänge haben soll.

 

Einige Jahre ziehen ins Land, bis sich etwas wirklich Auffälliges zuträgt. Jack fallen einige Transaktionen der russischen Partner seiner Firma auf. Da er aus irgendeinem Grund nicht auf sie zugreifen kann (was er anscheinend wohl können müsste), muss er nach Moskau reisen, um alle dem auf den Grund zu gehen.

 

Dass die Geschichte recht antiquiert anmutet (das Szenario könnte so in den 90ern stattgefunden haben, modern ist es jedenfalls nicht) ist allerdings kein allzu großes Hinderniss. Denn auch wenn nie Zweifel daran aufkommen, dass die Amerikaner die Guten und die Russen die Bösen sind und sich am Ende alles zum Guten wendet, so ist die Geschichte durchaus recht kurzweilig inszeniert. Hochspannend wird es nie, dafür ist es für Filmfreunde doch zu vorhersehbar, aber ein Film muss ja nicht gleich mit Superlativen protzen, um zu unterhalten.

 

Gleiches gilt auch für die Actionszenen. Branagh, der ja eher Spezialist für "klassische" Stoff ist (insbesondere Shakespeare), weiss, wie er Dialoge, Handlung und solche Dinge hervorragend einfängt, bei der Action ist sein "Jack Ryan" aber recht konventionell. Mir sogar etwas zu konventionell. Ohne Frage ist sie durchaus sauber inszeniert, aber insgesamt nicht wirklich erinnerungswürdig und vor allem fehlt der "Drive" wirklich gelungener Genre-Werke. Zum Glück liegt das Hauptaugenmerk nicht auf diesen Szenen und es wird auch nie versucht durch Explosionen und Materialschäden in Millionenhöhe zu kaschieren, dass dies kein Actionfeuerwerk ist.

 

Schwerer wiegt da der Hauptkritikpunkt neben der etwas simplen und antiquierten Story: die persönliche Ebene der Figuren. Natürlich braucht man bei einem Polit-Thriller dieser Art nicht zwangsläufig zutiefst ausgeklügelte Charaktere. Doch nur bei Viktor Cherevin, also dem Bösewicht in Form von Kenneth Branagh, und Kevin Costners Harper deutet man mal leichte Ecken und Kanten und Hintergründe an (ohne das jedoch wirklich weiter zu verfolgen oder gar zu vertiefen). So spielen die beiden Routiniers auch solide auf, mehr erlauben ihnen ihre Charaktere nicht. Pine und Knightley kann man auch nicht wirklich Vorwürfe machen, geben ihre Charaktere vom Drehbuch aus noch weniger her. Während Pine noch ein, zwei kleine Momente hat, in denen sein Charakter den Hauch von Dimension bekommt, wirkt Knightley's Charakter bei Zeiten sogar etwas nervig und an sich hilft er dem Film auch wenig weiter. Das "persönliche Drama" zwischen Jack und seiner Verlobten wirkt dafür einfach zu gekünstelt, ihre Involvierung in das Agentengeschehen zu konstruiert... man wollte wohl einfach noch eine junge Dame mit klangvollem Namen im Cast haben und hat das alles etwas halbherzig eingebaut, um einen Spannungsmoment und eine etwas stärkere persönliche Ebene in den Film bringen (wobei gerade letztere auf allen Ebenen etwas verpufft, da keine der Figuren einen wirklich dazu bringt, emotional etwas zu investieren).

 

Wer also einen ansrpuchsvollen oder reflektierten Agentenfilm erwartet ist woanders besser aufgehoben, ebenso wer sich ein Actionfeuerwerk oder süffisanten Witz ala James Bond wünscht. Trotzdem kann man sagen, dass "Jack Ryan – Shadow Recruit" nicht auf kompletter Linie versagt. Kein Höhenflug, aber für Allesseher dieses Genres und Durchschnitskinogänger durchaus einen Blick wert, denn bei all seinen Mängeln ist der fünfte Film um den CIA Agenten doch noch recht kurzweilig geraten. Trotzdem sollte es bei diesem einen Rebootversuch bleiben, es sei denn, man würde das Ganze wirklich mal modernisieren.

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