Neueste Veröffentlichung: Zwischen den Welten I: Eine neue Welt

Filmreview: Banklady

Regie: Christian Alvart

Darsteller: u.a. Nadeshda Brennicke, Ken Duken, Charly Hübner, Heinz Hönig, Andreas Schmidt

 

Und wieder mal ein wilder Abend in der Sneak Preview. Dieses mal mit einem deutschen Film namens "Banklady". Produziert von Syrreal Entertainment in Kooperation mit Studiocanal, dem NDR, Arte und ARD Degeto. Ich bin allgemein kein großer Fan des deutschen Kinos, aber man muss gestehen, dass es schon so einige wirklich starke Filme hervorgebracht hat. Ich rede dabei weniger von herausragenden Klassikern wie "Metropolis", "M – Eine Stadt sucht einen Mörder" oder "Nosferatu", sondern eher modernen Filmen wie "Der Untergang", "Das Leben der Anderen" oder "Napola". "Banklady" fällt insofern in das Schema, dass er auch mit der Aufbereitung der Vergangenheit zu tun hat, wenn auch nicht mit der NS-Zeit oder der DDR.

 

1966 in Hamburg: Gisela Werler (Nadeshda Brennicke) arbeitet als Hilfarbeiterin in einer Tapetenfabrik, um im heimischen Haushalt, in dem sie, trotz ihrer über 30 Jahre noch lebt, aushelfen zu können. Ihr Freund Uwe (Andreas Schmidt) vergisst eines abends einen Koffer bei ihr. Als er später mit seinem etwas lebenslustiger erscheinenden Freund Peter (Charly Hübner) bei ihr auftaucht, um diesen Koffer abzuholen wird schnell klar, dass es dabei um etwas sehr wertvolles gehen muss. Schon bald findet Gisela heraus, dass Peter und Uwe eine Bank überfallen haben. Doch Uwe hat nicht die Nerven damit weiter zu machen. Kurzer Hand steigt Gisela in das Geschäft mit ein, zum einen, um ihren Traum von Capri, dem Gegenpol zum tristen, harten Nachkriegsdeutschland, erfüllen zu können, zum anderen, da sie sich in Peter verliebt hat. Sie wird bekannt als "Banklady", der ersten weiblichen Bankräuberin. Kommissar Fischer (Ken Duken), der eine besondere Ausbildung im Ausland durchlaufen hat, ist mit neumodischen Methoden anfangs immer einen Schritt hinter ihnen. Allerdings rückt er ihnen immer näher.

 

In der Inhaltsangabe, die ja erst einmal sehr vielversprechend klingt, habe ich einen elementaren Punkt nur leicht angerissen: Die Beziehung zwischen Peter und Gisela. Letzten Endes ist eben dies der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Gisela ist verliebt in Peter. Der will nur eine geschäftliche Beziehung, auch wenn er immer stärker auf die Gefühle von Gisela eingeht. Womit ich gleich bei einem der Hauptkritikpunkte bin. Nicht, dass man den beiden Schauspielern einen Vorwurf machen kann, sowohl Nadeshda Brennicke, als auch Charly Hübner liefern solide bis sehr ordentliche Vorstellungen ab. Aber mir erschließt sich der Charakter von Gisela nicht ganz. Sie ist ein Mauerblümchen, das durch diese Beziehung, diese Überfälle, aufblüht, Selbstvertrauen gewinnt. Das geht sogar soweit, dass sie die jenige ist, die neue Überfälle plant. Soweit so gut, denn, auch wenn es eine fragwürdige Leistung ist, Deutschlands erste Bankräuberin zu sein, eine erwähnenswerte Leistung ist es irgendwo schon. Dass sie in Peter verliebt ist, ist soweit auch klar. Dass sie allerdings wie ein dummes kleines Naivchen immer wieder alles riskiert, damit ihr angehimmelter Peter (der aber einen guten Grund hat, weshalb es für ihn eigentlich "strictly business" bleiben soll), der sie wieder und wieder verletzt, über den sie immer mehr erfährt, weshalb jede vernünftige Frau eher "das Schwein" denken würde und sich, wie es sich lange genug darstellt, nicht weiter als Fußabtreter benutzen ließe... irgendwie verwehrt mir dieser Kontrast zwischen starker, aufgeweckter Frau und, wie gesagt, dummem Naivchen ein echtes Mitgefühl an ihrem Charakter.

 

Erst gegen Ende wird sie kalkulierter und ist in ihrer Art nicht mehr so nervig-naiv. Vielleicht entspricht dies so den wahren Begebenheiten, aber auf mich wirkt es so, als wollte man zwanghaft die Geschehnisse in ein "Bonnie und Clyde"-Korsett quetschen. Dieses ganze "Beziehungsdrama" wirkt im Film jedenfalls etwas aufgesetzt. Da spielt es keine Rolle, dass Peter Gisela sozusagen "befreit" und aufblühen lässt, er aus dem tristen, deprimierenden Alltag herausragt... weshalb sie ihn liebt ist nachvollziehbar, wie es jedoch filmisch umgesetzt ist, fand so ziemlich das ganze Publikum inklusive mir eher unfreiwillig komisch. Das trifft auch ganz gut auf Ken Dukens Performance als Kommissar Fischer zu. Eindringlich-intensiv, als Einäugiger unter den Blinden, schwankt er zwischen glaubhaft und lachhaft hin und her. Mal passt sein starrer, geradezu obsessiver Blick zum Geschehen, mal wirkt es wie ein C-Movie Gibbs (aus NCIS, denn irgendwie wirkt all das auch wie ein unbeholfener Tribut an die Beliebtheit der amerikanischen Crime Serie). Ich denke er kann es besser, aber kein Beteiligter hat ihn in den Momenten, in denen es eher belustigend wirkt, wirklich zurückgehalten, um alles etwas authentischer rüberkommen zu lassen.

 

Irgendwie will der Funke bei "Banklady" nicht überspringen, was in Anbetracht des Themas und des Potentials schade ist. Denn das Potential blitzt immer wieder durch. Dass der Look "typisch deutsch" ist, stört kaum, denn so ist das triste, rauhe Nachkriegsdeutschland, das Gisela von Capri, von amerikanischem Schönheitsideal, von mehr als der Realität träumen lässt, klasse eingefangen. Atmosphärisch hat man, was das angeht (auch kleine Anekdoten weshalb Bankraub damals so "einfach" war, passen ins Bild und bieten etwas interessante Kurzweil), sehr vieles richtig gemacht, denn hochstilisierte, mit modernster Technik auf alt und karg getrimmte Kulissen wären hier alles andere als zweckdienlich gewesen. Und gerade der Anfang, als Gisela sich "Frauenzeitschriften" kauft, Bilder von "schönen" Frauen sieht, später, als sie endlich Geld hat, um sich genau so kleiden zu können, Champagner trinken kann und sich wie ein kleines Kind freut, dass die "Banklady" schöne Beine habe... da schimmert so viel Potential durch, Kritik am heutigen Wahn nach, dem gesellschaftlichem Konsens entsprechender, Schönheit, nach Konsum zu üben, dass es umso trauriger ist, dass diese kleinen Momente die eigentlichen und einzig wirklichen Highlights des Filmes sind. Denn verfolgt wird das Ganze nie näher. Stattdessen entspricht vieles, was Gisela tut, auf für ihren Charakter unnötige Weise genau diesem Bild. Die Kritik kann man hineininterpretieren, aber der Durchschnittszuschauer wird sich darüber wenige´Gedanken machen, denn der Film zwingt ihn nicht dazu. War dies also eine Intention der Macher, so hat man es zu subtil eingebaut, zu sehr auf Mainstreamkino gesetzt und dort wird der Film eher weniger ankommen (bestenfalls in Deutschland). Auch wenn das Ende ein "kleines Happy Ending" besitzt, welches insgesamt der Realität entspricht, aber sehr schlagartig und arg kitischig daherkommt.

 

Unterm Strich besitzt "Banklady" also einiges an verschenktem Potential. Über Ken Dukens schwankende Leistung könnte man in Anbetracht der hervorragend eingefangenen Atmosphäre und der guten Leistungen des "Räuberpaares" leicht hinwegsehen, zumindest wäre der Film weniger auf "Bonnie und Clyde" für Arme getrimmt, inklusive nervtötend inszenierter "Love Story" und Beziehungsprobleme, und würde er stattdessen etwas stärker auf die zwischendurch aufkeimenden gesellschaftskritischen Aspekte, welche auch einen guten Teil zu den Charakteren beigetragen hätte, setzen. So ist "Banklady" nur ein weiterer deutscher Film, der mir beweist, dass viele ausländische Filme, wenn sie auch gerne mal schablonenhaft sind, einfach runder wirken und besser unterhalten. Schade um eine interessante Geschichte.

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