Neueste Veröffentlichung: Zwischen den Welten I: Eine neue Welt

Filmreview: Man of Tai Chi

Regie: Keanu Reeves

 

Darsteller: Tiger Hu Chen, Keanu Reeves, Karen Mok, Simon Yam

 

 

 

Nachdem mir schon "47 Ronin" mit Reeves sehr gut gefallen hat (auch wenn er natürlich nie an die großartige Verfilmung von Hiroshi Inagaki aus dem Jahre 1962 herankommt) und diverse Trailer ja auch schon ganz nett aussahen, war ich ehrlich gesagt gespannt auf Keanu Reeves Regiedebut.

 

 

 

Die Story ist erst einmal nichts weltbewegendes: Der dubiose und stinkreiche Geschäftsmann Donaka Mark (Reeves) hält illegale Kämpfe ab. Als sein letzter Kämpfer sich weigert einen Gegner zu töten, bringt er ihn kurzer Hand um. Die Polizei rund um die diese Ermittlung leitende Sun Jingshi (Karen Mok) hat zwar Informationen von dem Kämpfer bekommen, aber sie kommen zu spät. Die Ermittlungen werden offiziell eingestellt (was Sun Jingshi natürlich nicht davon abhält weiter zu machen) und Donaka Mark braucht einen neuen Kämpfer. Da fällt ihm der junge Tai Chi Schüler Chen Lin-Hu (Tiger Hu Chen) ins Auge: Unschuldig, guten Herzens und sehr begabt im Kampf. Da dieser Geld braucht um das Kloster seines Meisters zu retten, hat er ihn auch schnell überredet, für ihn zu kämpfen.

 

 

 

Simple Story, aber bei einem Martial Arts Film braucht es auch nicht mehr. Und man muss sagen, auf gewisser Ebene gibt die Story sogar einiges her: Dass Donaka Mark die Kämpfe ausserhalb Chinas an gut zahlende Kunden online übertragen lässt verwundert wenig, aber es gibt ein kleines Detail, welches das interessant macht. Denn nicht nur die Kämpfe, sondern auch die Veränderung in Chens Charakter, sein Wandel zum Killer ist Thema dieses anfangs noch harmlosen Gladiatorenspektakels. Sicherlich driftet "Man of Tai Chi" nie in anspruchsvolle Regionen ab, das will er auch nicht, aber vergleicht man es mit manchen amerikanischen Arena-Kampf-Filmen (denn in gewisser Hinsicht steht "Man of Tai Chi" eher in der Tradition eines "Bloodsports" als z.B. eines "Fist of Legend", wobei so einige Parallelen auch an "Enter the Dragon" mit Bruce Lee erinnern) bietet das einen angenehmen Ansatz, der den alles andere als innovativen Hauptcharakter interessanter gestaltet.

 

 

 

Also fiebert man durchaus mit, auch wenn es für Genrefans keine Überraschungen geben wird. Kern sind sowieso die Kampfszenen. Und die sind sehr gut gelungen. Zwar gibt es nie einen richtig offenkundigen Styles-Clash (zumindest für Laien), was aber genau so wenig stört, wie der etwas "saubere" Verlauf dieser Szenen. Selbst nach x Schlägen sehen die Kämpfer oft noch recht frisch aus, der Härtegrad ist zwar vorhanden, aber weder blutig, noch so knochenbrecherisch wie in "Ong Bak" oder "Revenge of the Warrior". Trotzdem gibt es eine gewisse Authenzität und auch inszenatorische Qualität. Reeves verneigt sich damit vor dem asiatischen Kino, insbesondere den Kampfsport-Klassikern abseits der allseits bekannten Wuxia-Angelegenheiten mit ihrem Wirework. Allgemein hätte dieser Film genauso gut von einem asiatischen Regiesseur stammen können. Wie schon "47 Ronin".

 

 

 

Und das ist ein Kompliment an Keanu Reeves. Sein Debüt wird nie ein Klassiker werden, aber er macht vieles richtig, was die meisten anderen amerikanischen/westlichen Regiesseure bei diesem Thema falsch gemacht hätten. Es gibt eine Art Love-Interest für Chen, aber damit wird die Story nie verwässert. Die Kampfszenen sind, wie bereits erwähnt, eher authentisch und asiatisch gehalten, als mit unsäglichem Wirework inkl. CGI pseudocool an die hippe, westliche Jugend angepasst (wie z.B. in "Romeo must die"). Reeves ist, neben einigen Kämpfern, der einzige westliche Darsteller und dann auch noch der Bösewicht. Alles Dinge, die so manch anderer anders und damit dem Film abträglich inszeniert hätte.

 

 

 

Alles in allem ist "Man of Tai Chi" also ein unterhaltsamer und gut gemachter Martial Arts Film. Kein Überfilm, kein Geheimtipp, kein Klassiker, aber besseres Actionkino als das, was so manch ein riesiger Blockbuster uns als gelungen inszenierte Action auftischen will. Schon deshalb, weil Reeves sich eher vor den Klassikern verneigen, diese Art Film dem heutigen Publikum näher bringen möchte, anstatt sich an es anzubiedern.

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