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Filmreview: Die Bestimmung

Regie: Neil Burger

Darsteller: u.a. Shailene Woodley, Theo James, Ashley Judd, Kate Winslet, Zoe Kravitz

 

Ich muss ja sagen, vielversprechend sah der Trailer zu "Die Bestimmung – Divergent" nicht aus. Das Schema ist ja bekannt, sowohl in Buch und Film. Natürlich geht die Entwicklung noch weiter zurück, aber prinzipiell sieht es so aus: Jugendliteratur wird mit auch für Erwachsene interessanten Themen angereichert, Coming-of-Age mit komplexeren/düsteren Elementen aufgewertet. "Harry Potter" ist da wohl das berühmteste Werk. Aber danach ging es sozusagen einen Schritt weiter in eine speziellere Richtung: Zielgruppe sind nicht mehr Jugendliche im Allgemeinen, sondern vor allem junge Mädels. Der Hauch des "Erwachsenen" verbunden mit den schmachtenden Romanzen und toughen Protagonistinnen sind idealer Stoff. Insbesondere in filmischer Form, denn wenn ein 15/16 jähriges Mädel den Film sehen will, wird unter Umständen der Freund mitgeschleppt. Die "Twighlight"-Reihe hat es erfolgreich vorgemacht (und zumindest filmisch vielen wohl eher einen eiskalten Schauer über den Rücken gejagt... wie es wesentlich unterhaltsamer und nicht ganz so lächerlich aussieht, zeigt die HBO Serie "True Blood"), "Die Tribute von Panem" gut nachgemacht (und vor allem für den Otto-Normalseher durchaus ansprechender) und andere Filme wie "Rubinrot" oder "Die Chroniken der Unterwelt" haben gezeigt, dass diese "Erfolgsformel" mehr Formel als Erfolg ist.

 

Nun steht mit "Die Bestimmung – Divergent" also ein weiterer Vertreter dieser Gattung an und in der all-montaglichen Sneak machte sich erst einmal Ernüchterung bei mir breit. Wieso? Wie bei allen Werken dieser Art gibt es eine literarische Vorlage, von der ich nur durch den Film erfahren habe (ich lese zwar gern, aber bei weitem auch nicht alles, egal wie gut oder umfeiert), und der Trailer hat es eben dieser besonderen Art zugeordnet, die mir nicht zusagt.

 

Nunja, die Grundstory ist trotzdem interessant (was auch bei "Die Tribute von Panem" so ist und auf den ersten Teil dieser Reihe werde ich hier noch öfter zu sprechen kommen). Es hat mal wieder Krieg geherrscht, die Zivilisation ist untergegangen und so weiter. In einem post-apokalyptischen Chicago hat sich inzwischen eine "ideale" Gesellschaft gebildet. Es gibt fünf Kasten: Die Polizei/Krieger (Ferox), die regierenden, Nächstenliebe praktizierenden "Altruan", die wissenschaftliche Kaste "Ken" (oder so ähnlich, schließlich heissen die im Englischen alle komplett anders), die ehrliche Gerichtsbarkeit Candor und die "Bauernkaste". Dazu kommen noch Fraktionslose, die quasi die Unterschicht bzw. die Obdachlosen sind. Beatrice (Shailene Woodley; "The Descendants", "Secret Life of the american Teenager") ist mit ihren 16 Lenzen an der Reihe ihre Beurteilung zu bekommen und dann eine der Fraktionen zu wählen. Diese Beurteilung testet die Natur der Person und gibt eine Empfehlung aus, welcher Fraktion man sich anschließen sollte. Allerdings ist ihre Test nicht eindeutig: Sie ist eine Unbestimmte. Ihre Testerin empfiehlt ihr darüber zu schweigen, fälscht die Ergebnisse usw. und sofort. Weshalb weiß Beatrice nicht. Bei der Einweihungszeremonie entscheidet sie sich dann für die wilden Ferox. Dort lernt sie schnell, dass die Ausbildung hart und erbarmungslos ist. Zusätzlich zu der Gefahr für sie als Unbestimmte scheint noch irgendwas anderes im Busche zu sein.

 

Wie gesagt, nette Grundidee, die im Buch sicherlich sehr stark darauf eingeht, wie ein Teenager noch zu sich selbst findet, die Wichtigkeit von Individualität und der menschlichen Natur betont und dass niemand in ein Schema gezwungen werden kann (und noch vieles weiteres). Der Film schneidet diese Themen nur sehr oberflächlich an. Prinzipiell ist es für den Film einfach ein dystopischer Hintergrund um eine weibliche Heldin zu präsentieren, mit der das weibliche Publikum gleichen Alters mitfiebern kann, ganz gemäß der Kriterien, die ich oben angeführt habe. Und ehrlich gesagt mach der Film das reichlich klischeebeladen: Die Altruan sind zwar gute Menschen (naja, außer einer), aber ziemlich langweilig mit ihren halben Lumpen in Grau, die Ken sind die klassischen Intellektuellen ohne Menschlichkeit, ganze Wissenschaftler, die der Meinung sind, sie wüssten alles, die Ferox sind mit ihren Tattoos, Piercings, ihrer wilden Lebensweise und den schnieken Lederklamotten, die ultracoolen "Rebellen"... um mal wieder auf den Trailer zu kommen, an dem man das so absehen konnte: Dort wirkte es so klischeetriefend und unfreiwillig komisch, dass man ganz Übles vermuten musste. Natürlich ist Tris, wie sie sich bei den Ferox nennt, eine Art Underdog (und sowas wie eine Auserwählte), logischerweise gibt es ein Love Interest für sie (Theo James; "Underworld Awakening") und allgemein gibt es alle Ingredienzen, die so einen Film ausmachen. Logik? Geht gerne mal in die Brüche. Die sozialkritischen Untertöne? Die gehen größtenteils verloren. Durchdachte Story? An sich ja, aber viele Tatsachen werden Tris und dem Zuschauer vor den Latz geknallt und "überraschen", obwohl gerade sie das alles wissen müsste.

 

Aber, und das ist ein großes "Aber", irgendwie unterhält der Film wirklich gut. Mainstreamkino der übelsten Sorte, aber derart konsequent, dass man einfach das Hirn halbwegs abschaltet und sich unterhalten lässt. Und ich bin ehrlich, mir sagte der Film mehr als der erste "Tribute von Panem" . Denn der baute zwar in der ersten Hälfte wesentlich stringenter eine interessantere und plausiblere Dystopie auf (auf die Battle Royal Vergleiche bzw. die Plagiat-Diskussion verzichte ich mal, denn "BR" spielt für mich in einer ganz anderen Liga [das Buch übrigens noch einmal in einer bedeutend höheren als die für sich gesehen sehr gute Verfilmung]), aber wirkt bei den eigentlichen Spielen dann doch zu lahm und inkonsequent (denn Katniss wirkt immer zu stark "außen" vor, da sie sich nie wirklich die Finger schmutzig macht, mal abgesehen davon, wie Frau Lawrence da Bogen schießt). Irgendwie ist der erste "Panem"-Film für mich unrund. Und hier schlägt "Die Bestimmung" voll zu. Bei all den Logiklöchern und anderen Schwächen ist dieser Film aus einem Guss, hat einen guten Flow. Es gibt nette Actionszenen, keinerlei Langeweile, man versucht gar nicht erst wirklich ansrpuchsvoll oder zu ernst zu sein, sondern nur simpel zu unterhalten. Da braucht keiner der Darsteller zu Höchstleistungen auflaufen, es müssen keine neuen Maßstäbe gesetzt werden, man will anscheinend gar nicht den besten Ableger dieser "Toughe-Mädels-Teenie-Streifen" bieten. Aufgrund dieser Leichtigkeit, und auch meiner geringen Erwartungen, wurde ich gut unterhalten.

 

Klischees, Logiklöcher, Oberflächlichkeit (trotz anspruchsvoller Themen) hin oder her, "Die Bestimmung" unterhält erstaunlich kurzweilig, wenn man sich mal drauf einlässt. Das macht ihn nicht zu einem wirklich guten Film im Sinne eines "Fahrenheit 451" oder "Equilibrium" (um mal zwei dystopische Zukunftsvisionen zu nennen), aber unterhaltsamer als einen etwas unentschlossen/unausgegoren wirkenden ersten "Tribute von Panem" (zu ernst, um locker zu unterhalten, leider auch nicht tiefgründig/konsequent genug, um wirklich zum Nachdenken anzuregen) und bei weitem nicht so kitschig und blöde wie die "Twighlight"-Ergüsse.

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